Jul
26
In einem knappen Spiel unterlag das Österreichische Team im Eröffnungsspiel zu Europameisterschaft dem Gastgeber Deutschland mit 22:20 (13:6)
Wie gewohnt stelle ich die Bilder des Spiels zur Verfügung, ein paar Eindrücke und mein ganz persönliches Geschichterl und Gedanken, von diesem Wochenendtrip möchte ich allerdings dennoch auch vorweg festhalten.
Um Samstag 5 Uhr früh startete das Unternehmen Europameisterschaftsseröffnungspiel in Frankfurt, meine liebe Ehefrau, gar nicht schlimm gezeichnet vom Polterabend des Vorabends, schaffte es sogar in rekordverdächtiger Zeit sich frisch und noch hübscher zu machen und sogar ihr Täschchen zu packen und wir konnten daher bereits um 6:30 die Garage zum Startschuss für “Mission Frankfurt” betreten.
Wir entschlossen uns diesmal mit dem Auto anzureisen und nicht zu fliegen, erstens ist man flexibler, zweitens kommt es sogar ein bisschen billiger so zu reisen. Eurotax-Mathematiker mögen mir hier gleich widersprechen, aber mir sind Nebenkosten wie Gummiverschleiß, Wertverlust durch gefahrene Kilometer, Klimaflüssigkeitsverdunstungmenge und etwaige Bremsscheibenabnutzungen etc. wirklich, wie heißt es so schön in Deutschland, völlig schnuppe.
Die Reise war harmonisch, zwar nicht so unterhaltsam wie der Flug mit den Vikings nach Paris, aber das lag sicher nicht daran, dass Paris ohne weibliche Begleitung erobert wurde.
Nach wetter- und baustellenbedingten „zachen“ 720 km waren wir nach 6,5 Stunden angekommen und waren angesichts des 50km Staus in der Gegenrichtung froh, nicht in dieser Flüchtlingskolonne, die einem Wohnwagengroßparkplatz glich, in den Norden unterwegs gewesen zu sein.
Nach dem Einchecken natürlich schnell eine kleine Shopping-Tour – auch diesbezüglich unterschied sich dieser Trip gänzlich vom Parisausflug. Danach stand Mittagessen am Programm. Als erfahrener Deutschlandbesucher weiß man, dass man auch dort zu Lande hervorragend essen kann, wenn man entweder auf die Haubenembleme an der Pforte achtet und entsprechend tief ins G´sparte greift oder, wenn der Restaurantbesitzer ein Italiener, Japaner oder wenigstens ein Asiate ist. Wir tendierten zum Japaner und ja, es war ausgezeichnet.
Um den Bericht zu vervollständigen, obwohl ich charmant über die Shoppingtour hinwegschreiben wollte, dennoch ganz kurz: Also, wir (=meine Ehefrau) benötigten gaaaaanz dringend eine Jacke, da meine liebe bessere Hälfte als norddeutsche Einheimische vergessen hatte, dass es in Ihrer Heimat bereits etwas kühler ist als bei uns. Aber eine Hohe-Wartetaugliche violette Peek-Performance-Jacke hätten wir um diesen Preis nie und nimmer in Wien bekommen. Ganz sicher nicht. Man muss auch Einkäufe nur gut argumentieren können, schon ist das Kreditkarterl schneller und ohne schlechtes Gewissen gezückt.
Danach stand noch zur Debatte, ob wir uns bei den Massen vor Hollister – natürlich nur um unserem Sohn etwas mitzubringen, anstellen sollen, aber da mich die Sixpack Türlsteher mit Ihrer Hartz4-Wampe nicht gar so beeindruckten wie so manch andere, genau diesen Bauch habe ich mir immerhin jahrelang und kalorienintensiv endlich wegtrainiert, ließen wir es einfach bleiben.
Zudem stellte ich mir vor, wenn dies weibliche Türsteherinnen in Bikinis gewesen wären, welch antifeministischen und frauenfeindlichen Skandal würde dies wohl darstellen, aber bei uns Buben, die aufgrund unserer Körper und diese auch noch halbnackt zur Schau gestellt, ausgebeutet werden, wird dies einfach wortlos toleriert. Mein Freund Alfred N. kann diesbezüglich sicherlich mehrere Klagelieder vortragen. Vielleicht schreibe ich doch Emma einen Leserbrief – aber genug des Exkurses in die Thematik der Gleichberechtigung.
Ich schweife wie gewohnt ab, hier geht es um Football – also ebenfalls um Männer in gestählten Körpern und ich möchte jetzt nichts lesen wie „aber die Liner…“
17 Uhr Abfahrt ins Waldstadium das, wie es in Deutschland üblich ist, von einem Konzern gekauft und entsprechend umgetauft wurde. Während der Fahrt suchte ich vergebens Plakate, die auf die EM hinwiesen oder die Kolonnen von Schlachtenbummlern, die ich schon in der Innenstadt vermisste und bei den Worldbowls früher ein untrügliches Vorzeichen eines Großevents darstellten. Aber vielleicht waren die ja alle schon dort, da Parkplätze in der Commerzbank-Arena eine Mangelware darstellen?
Die Vorgeschichte betreffend Presseakkreditierung lass ich mal weg, es klappte letztendlich und ich hatte am Schluss sogar den Verdacht, dass die Verantwortlichen in Deutschland auch gemeinsam planen und sich abstimmen, sogar die vorbestellte Parkkarte war im Kouvert vorhanden.
Das Stadion selbst ist beeindruckend, der Rasen war es weniger, die Live-Cam Bilder, die 4 Tage vor dem EM noch herumfahrende Bagger zeigten, waren damit als unverfälschtes Videomaterial einzustufen. Feldmarkierungen, wie wir es aufgrund der tollen Arbeit der Groundskeeper zu schätzen wissen und für uns bereits Standard darstellen, waren immerhin rudimentär vorhanden, Logos oder gar Endzonenmarkierungen, auch bei uns bei großen Spielen Standard, nicht vorhanden.
Für die Presse gab es sogar eine kleine Kantine mit Buffet, aber ich bin ja nicht zum Essen gekommen, und außerdem, es war keine Haube am Eingang und kein Italiener und/oder Asiate weit und breit zu sehen.
Zum Spiel selbst sollen wie immer Berufenere als ich es bin, schreiben, ich bleibe beim Beschreiben des Rundherum.
Vor dem Stadion waren paar Stände vorhanden, einer!! davon schenkte sogar Bier aus. Da die Nachfrage auch immer den Preis bestimmt und die Nachfrage wohl aufgrund der enormen Warteschlangen kalkuliert wurde, befand der Bierausschenker, der sich zudem in einem Cola-Stand befand, den Preis auf geschmalzene € 4,20 zu setzen. Wohl jemand, der sich für die Getränkepreise in den Schi-Hütten in Zell am See oder Obertauern auf diese Art endlich revanchieren konnte.
Das spärlich vorhandene deutsche Publikum, die offiziell genannte Zahl von 7200 empfanden die anwesenden Medienvertreter nicht mal als schlechten Witz, waren genauso beeindruckt von unseren Fans, wie ich. Und hier waren es sicher an die 1000 die Ihre Freizeit opferten und auch einiges an Geld investierten, um unsere Mannschaft zu unterstützen. Und sie taten es auch bis zur letzten Sekunde.
Schade, allerdings, dass es dennoch immer wieder Fans gibt, die Football mit Fußball verwechseln, Schiedsrichter beschimpfen, mit Ihrem Bier herumsauen und damit ohne ein Wort der Entschuldigung fremde Taschen durchnässen müssen. Da diese Herren auch beim TD sich bemüßigt gefühlt haben, ihren TD-Tanz auf der Tribüne zu zelebrieren, konnte man auch diese Fans ganz leicht einem ganz bestimmten Lager zuordnen.
Überhaupt dieser Trend, der natürlich nicht generell einem ganz bestimmten Verein zuzuschreiben ist, beunruhigt mich zusehends, besonders in Anbetracht dessen, dass durch die WM nächstes Jahr wahrscheinlich und hoffentlich noch mehr Menschen in die Stadien kommen werden und damit zwangsläufig auch die Minderheit derer, die nicht wissen, wie man sich bei unserem Sport benimmt, wohl zwangsläufig anwachsen wird.
Ich glaube, hier müssen nicht nur die offiziellen Vertreter rechtzeitig diesem Trend entgegen wirken, sondern auch jeder einzelne von uns, denn wegen dieser Minderheit haben oder werden wir oder einzelne Vereine einen Ruf erlangen, der sicher auf die Mehrheit nicht zutreffend ist. Aber wie heißt es so schön: Mitgehangen – Mitgefangen.
Und es geht hier nicht um den Wunsch des Gruppenkuschels und „wirhabenunsalleliebundsindeinegroßeFamilie“ von rivalisierenden Fans, es geht um ein ganz normales Miteinander zwischen zivilisierten Menschen. Nicht mehr, und nicht weniger.
Zurück nach Frankfurt. Uns Footballfotografen sind die Österreichischen Stadien bekannt, bzw. die Veranstalter, die besonderen Wert auf die Einhaltung der Fotografenzone, die natürlich auch gekennzeichnet ist, legen. Dies ist natürlich begründet und zu respektieren obwohl es oft Ausnahmen gerade für die filmende Zunft gibt, deren Kameramänner das erste Mal bei Football sind und in Gegensatz zu denen, die jahrelang schon an der Sideline ihren Job machen einen wesentlich höheres Risiko darstellen.
Nein ich schweife diesmal nicht ab, ich leite ein, nämlich folgende Erlebnisse in der Commerzarena.
Kurz vor dem Einlauf der Mannschaften, üblicherweise wird dies von vorne abgelichtet, wurden die Fotografen des Feldes verwiesen. So kam es, dass es weder Bilder (von vorne) der Schiedsrichter oder der Mannschaften bei den 3 Hymnen, der Europahymne, der Österreich-Hymne-neu und der Österreich-Hymne-alt, von denen manche behaupten, es wäre die Deutsche, gibt. Bei den Einläufen der Starting Defense verstießen wir aber gegen das Verbot und nahmen die Spieler von vorne auf. Ob ich je wieder ein deutsches Stadion betreten darf, sei nun mal so dahin gestellt.
Aber es kam noch besser, plötzlich wurden 10 Meter hinter der Sideline Eisensteher!!!! aufgestellt und dazwischen eine Kette gespannt und wir angewiesen, hinter dieser zu bleiben. So nebenbei – hinter dem Tor hatten sie auf Ihre Verbote vergessen und wir hätten sogar in der Endzone knien können.
Ich möchte mich hier bei den EFAF-Kontrolloren bedanken, die diese wahnwitzige Gefahrenquelle in Diskussionen mit dem Arenaverantwortlichen aufzeigten und dadurch die Eisensteher entfernt und die rote Kette, die üblichen 4 Yards hinter der Sideline am Boden aufgelegt wurde – wie gesagt, eine Fotografenzonen-Markierung fehlte ja.
Je mehr ich schreibe, umso mehr fühle ich mich wie ein besserwissender typisch österreichischer Motschgerer, aber ich habe wirklich viel erlebt, was ich bei den vielen Spielen die ich besuchen durfte, noch nie erlebt hatte. Ich bin überzeugt, dass wir dies alles nächstes Jahr wesentlich besser machen werden – obwohl es dann sicher auch Motschgerer wie mich geben wird, die das berühmte Haar in der Suppe finden wollen – ich war jedoch in Frankfurt beschäftigt, die Suppe überhaupt zu finden.
Das Spiel war gespielt, Österreich kämpfte bis zum Schluss, Deutschland gewann. Die Stimmung war dementsprechend getrübt, Gründe warum dies geschah zudem in der Pressekonferenz schnell gefunden. Neues Spiel neues Glück.
Dennoch war ich froh dabei gewesen zu sein, unsere Footballer zu begleiten ist für mich immer wieder ein Erlebnis und eine Freude für die ich gerne Freizeit aber auch mein Taschengeld in die Hand nehme.
Mich freut es, wenn Spielern meine Bilder gefallen und mir das auch gelegentlich mitteilen. Manchmal denke ich jedoch, dass es viel zu selbstverständlich für manche ist, dass es einige im Umfeld gibt, die das ganze nicht nur gratis machen, sondern sogar, wie auch die Spieler selbst, Zeit und Geld investieren.
Meine Bilder findet Ihr nun hier, sie werden auch weiterhin gratis auch in voller Auflösung bei Bedarf zur Verfügung gestellt. Meine Kosten für Frankfurt sind aufgrund meiner Taschengelderhöhung, die mir meine liebe Ehefrau durch eine Reduzierung Ihres Haushaltsgeldes, hoffentlich ist Ihr violetter Jackenkauf dadurch auch finanziell gedeckt, gewährt hat, harmonisiert.
Einen Spendenaufruf, wie es andere für Frankfurt machten – so berichtete man mir – werde ich selbstredend unterlassen, obwohl in Frankfurt am 24.07.2010 auch der Sterbetag meines geliebten Teleobjektivs im Wert von sehr, sehr viel Geld war und nun wohl re-investiert werden muss, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
Viel Spaß mit den Bildern.










































































































































































2 Kommentare
Haider Berny
26. Juli 2010
18:34
also dei bericht ist wie ned anders zu erwarten wieder sehr göttlich (am besten find ich den letzten absatz)!
webguru
26. Juli 2010
20:28
Internationales Top Niveau mein Freund !
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